Ich liebe die Dunkelheit. Macht mich das zu einer Dark? Für mich schon. Wenn der Tag sich neigt, es zu dämmern beginnt, dann fühle ich mich wohler und auch kräftiger. Das habe ich erst nach langer Zeit bewußt festgestellt. Das soll jetzt nicht aussagen, daß ich ein Vampir zu sein meine, sondern das hängt wohl auch schlicht mit meinem chronisch zu niedrigen Blutdruck zusammen. Solche Menschen kommen immer erst später am Tage auf volle Touren. Mir gefällt diese Tatsache.

Nicht nur draußen sondern auch drinnen mag ich es lieber bedeckter. Kerzenschein ziehe ich der Deckenbeleuchtung vor. Viele Menschen haben Angst vor der Dunkelheit. Als Kind hatte ich sie auch, aber nur weil ich mal einen Teil dieses Straßenfegers "Belphegor" aus den 60er Jahren gesehen habe. Da war ich erst 5 Jahre alt und fortan sah ich diesen Museumsgeist immer in unserem Zimmer in der Ecke stehen und schrie und heulte. Auch wenn meine Schwester tausendmal das Licht anmachte und mir bewies das das nur unsere Morgenmäntel waren, kaum war das Licht aus, sah dieser verfluchte Schatten doch irgendwie aus wie Belphegor. Ob das nicht doch vielleicht...

Lange Jahre hat mich diese Angst begleitet, bis ich erwachsen wurde. Heute liebe ich die Dunkelheit, weil sie mir irgendwie eine Art Trost und Geborgenheit gibt. Zu keiner Tageszeit ist es so schön ruhig und friedlich, wie am Abend oder in der Nacht. Jeder verfällt in eine entspanntere Stimmung. Nicht umsonst werden einige Dinge, wie z.B. das Sprechen mit den Jenseitigen, in der dunklen Tageshälfte ausgeführt. Es ist wegen des gelösteren Zustandes, der den Kontakt erleichtert.

Ich freue mich immer auf besondere Tage, wie Allerheiligen, Samhain (Halloween) und dergleichen. Wenn es dann dunkel wird, erstrahlen die Friedhöfe in einem Lichtermeer aus Kerzen. Was für ein schöner Anblick! Es macht mir dann immer viel Freude über den Friedhof zu gehen, die Lichter und Gräber anzusehen und mich irgendwo auf einer Bank niederzulassen. Ich kann stundenlang nur dasitzen und schauen. Wenn sich dann der Friedhof langsam leert, die Menschen heim gehen, die ihre verstorbenen Angehörigen besuchten, legt sich Stille über diesen Ort. Zeit um Zwiesprache zu halten. Was man dann für Besuch bekommt, ist atemberaubend. Nichts für schwache Nerven. Ich gestehe, ich halte es nur in Anwesenheit meines Mannes aus. Er ist so viel stärker als ich. Ich meine auch mental gesehen. Er trotzt allen Wesen, läßt sich von nichts erschrecken. Ich bin da dann doch wieder etwas vorsichtiger, weil ich unbekannte Wesenheiten nicht einschätzen kann und nicht riskieren will arglos zu warten was passiert. Dennoch ist der Friedhof, wie der Name richtig sagt, ein Ort des Friedens. Hier ist man dem Tod so nahe wie sonst nirgends.

Nein, ich sehne mich nicht nach dem Tod. Aber ich fürchte ihn auch nicht. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Glaube daran, daß meine Lieben, die schon vor mir gegangen sind, mich abholen werden und wir zu einem fantastischen Ort gehen. Was gibt es daran zu fürchten? Das Leben ist eine grausame Lektion, die wir lernen. Was es alles damit auf sich hat, wer weiß es schon. Ich werds herausfinden, wenn ich mal gehe.

Was ich allerdings strikt verurteile, sind Leute, die auf Friedhöfen ihr Unwesen treiben. Miteinander auf Gräbern zu kopulieren oder darauf zu tanzen, das halte ich für Grabschändung! Ein Grab ist die letzte Ruhestätte der sterblichen Hülle einer Seele. Sie hat einmal darin gewohnt und für die Hinterbliebenen ist es das einzige was ihnen von diesem Menschen geblieben ist. Ein Ort, wo sie ihn symbolisch besuchen können. Es ist weder für die Seele noch für die Hinterbliebenen erfreulich, wenn das Grab für solche abartigen Dinge geschändet wird. Stellt Euch vor Ihr liegt im Krankenhaus im Bett und seid krank. Ihr döst vor Euch hin und plötzlich fliegt die Tür auf, ein Pärchen kommt hereingestürzt, flezen sich auf Euch in Eurem Bett und treiben es miteinander. Aua! Ihr würdet sie doch sicher zum Teufel jagen (und zwar wortwörtlich *gggg*) und fragen ob sie noch ganz dicht sind, oder? So wird es die Seele auch sehen, wenn sie auf ihr Grab herabblickt und sieht, wie es zwei dort miteinander treiben. Sex ist was menschliches, im Jenseits aber ist es unwichtig und bedeutungslos, wird von höheren Geistwesen als dumm angesehen. Öh, ich gestehe, ich bin gern dumm solange ich noch lebe. *fg (Nur ich würd nie drauf kommen es auf nem Friedhof zu tun, das muss nu nicht sein)

Oft fahren mein Mann und ich im Sommer nachts heraus und suchen uns ein lauschiges Plätzchen. Wir nehmen unsere Teleskope mit und betrachten den Himmel. Natürlich machen wir es uns richtig gemütlich. So haben wir unsere Liegestühle und Decken dabei, legen uns hin, stellen die Lehne weit zurück und können so im Liegen in den herrlichen sternenübersäten Himmel schauen, über die unendlichen Weiten sinnieren. Einfach toll.

Es teilen mehr Menschen die Liebe zur Dunkelheit, als ihnen bewußt ist oder sie zugeben wollen. Schaut nur im Sommer, da sitzen die Leutchen bei Kerzenlicht im Garten oder auf dem Balkon und genießen die milde Nachtluft. Ich auch.

carpe noctem